Pflegemaßnahmen – Agroforstlicher Pflegeplan

1. Pflanzung

Das Pflanzgut soll gesund, geradewachsend, unverletzt und möglichst regional angepasst sein. Beim Kauf soll darauf geachtet werden, dass mind. 3 versetzt angeordnete Leitäste vorhanden sind sowie keine Krankheiten auffällig sind. Das Verhältnis zwischen Wurzeln und Trieb soll ausgewogen sein sowie das Wurzelwerk genügend Feinwurzeln aufweisen. Das Pflanzloch gut vorbereiten, den Baum nicht zu tief und nicht zu hoch setzen und den Baum noch am selben Tag eingießen. Bei veredelten Bäumen ist darauf zu auchten, daß die Veredelungsstelle über der Bodenoberfläche liegt.
Ein Pflanzschnitt ist vorzunehmen. Link.
Genügend Zeit für die Pflanzung einplanen, da auch ein Verbissschutz (siehe Punkt 2) unbedingt noch am Tag der Pflanzung anzubringen ist.

2. Baumschutz

Die Bäume sollen gegen Verbiss (am Stamm und Wurzeln) sowie gegen Wind geschützt werden. Dazu ist am Tag der Pflanzung um den Baum ein Verbiss- und Verfegeschutz anzubringen (zB. durch Manschetten oder Baumschutzhüllen (gut am Pflanzstab befestigen), Repellent). Bei silvopastoralen Systemen müssen die einzelnen Bäume robuster geschützt werden (z. B. Dreibock, Metallzaun oder Stammkorsette) oder das Weidevieh mit einem Elektrozaun um mehrere Bäume ausgeschlossen werden. Um den Baum zu stabilisieren, werden Pflanzpfähle oder -stäbe angebracht. Den Pflanzpfahl gegen die Windrichtung einschlagen, damit der Baum bei Wind weggedrückt und vom Befestigungsband gehalten wird. Die Anbindung ist regelmäßig zu kontrollieren und ggf. zu lockern, damit es zu keinen Einschnürungen oder Verletzungen am Baumstamm kommt. Zusätzlich kann der Verbissschutz am Pflanzpfahl fixiert werden. Bei hohem Wühlmausdruck und sehr teurem Pflanzmaterial ist ein Wurzelschutz anzudenken (Wühlmausgitter bzw. ein unverzinkter Hasendraht um den gesamten Wurzelraum bei der Pflanzung eingraben).

3. Baumscheibe freihalten

Es ist notwendig die Baumscheibe frei von Gräsern zu halten, um den Konkurenzdruck zu reduzieren. Dies kann durch regelmäßiges, häufiges Hacken erfolgen oder durch Mulchscheiben, die zuätzlich die Verdunstung reduzieren. Mögliche Materialien sind Holzhäcksel, Stroh- oder Rindermulch, Schnittgut, geeignetes Heu und Stroh oder handelsübliche Materialien. Aber Achtung: Mulchscheiben im Herbst entfernen, da sonst Mäuse angezogen werden können.

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4. Vogelansitzstangen

Die Leittriebe der Bäume werden von Greifvögeln als Ansitz genützt. Damit die Leittriebe der Jungbäume unter dem Gewicht der Vögel keinen Schaden erleiden, werden im AFS zahlreiche Vogelansitzstangen errichtet, die höher sind, als die Jungbäume in einigen Jahren. Zusätzlich kann dadurch der Mäusedruck reduziert werden.

5. Bewässern

Die Jungbäume müssen je nach Region regelmäßig bewässert werden. Dabei sollen weniger Gaben (je nach Bedarf bis zu 3-5x/Jahr), aber dafür in größeren Mengen bewässert werden – dies regt das Wurzelwachstum an. Die Bewässerungstechnik richtet sich nach den Möglichkeiten am Betrieb und soll bei Bedarf zur Verfügung stehen.

6. Unterwuchs pflegen

In den Baumreihen eines Alley-cropping Systems muss der Unterwuchs regelmäßig geschnitten werden. Dazu kommt ein Mulchmäher, Schlegelmäher, Motorsense oder auch Schwader zum Einsatz. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Baumstämme nicht verletzt werden und das Gras den Bäumen keine Konkurrenz macht. Zur Beikrautregulierung soll je nach Druck und Bedarf bis zu 4x im Jahr ein Schnitt erfolgen. Ggf. wird neu angesät (am besten mit regionalem Saatgut).

7. Kontrollgänge

Bei den Kontrollgängen auf der Agroforstfläche sollten die Bäume, der gesamte Bestand, der Baumstreifen (Unterwuchs) und die landwirtschaftliche Nutzfläche kontrolliert werden. Vor allem ist zu auchten auf:

Trockenstress –> Bewässern;
Schädlingskontrolle: Oberirdisch, Unterirdisch; Hilfestellungen Linkliste
Baumscheibe frei bzw. Mulchscheiben kontrollieren/im Herbst entfernen;
Anbindung an Pflanzpfahl vorhanden und Stamm nicht einschnürend.
Verbissschutz vorhanden ggf. erneuern
Entwicklung der Bäume;
Ausfälle nachpflanzen und Ursachen klären.

8. Düngung

Jungbäume profitieren von regelmäßigen Düngergaben. In Ackerbaubetrieben können sie auch die Nährstoffe aus der Ackerbaudüngung und Mineralisierung des Bodens ziehen. In viehlosen Systemen ohne organischen Dünger können Kompost oder gut verrotteter Mist aushelfen.

9. Wurzelschnitt

Der Wurzelschnitt in Agroforstsystemen, soll das Wurzelsystem der Bäume in tiefere Bodenschichten lenken, um Wasser- und Nährstoffkonkurrenz mit den Kulturpflanzen zu reduzieren. Dabei muss ein gewisser Abstand je nach Baumgröße zum Baumstamm gehalten werden, um auch den Bäumen genug Platz im Boden zu geben und so tief wie möglich geschnitten werden. Der Wurzelschnitt soll beim Jungbaum regelmäßig ab dem 2.-3. Jahr nach der Pflanzung mit einem Wurzelschneider, Sechscheibe, Schwergrubber, Tiefenlockerer oder Pflug erfolgen.

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10. Baumschnitt

Ein langes astfreies Stammstück ist für den vermarktbaren Wert des Holzes optimal und vor allem auch zur Arbeitserleichterung mit Maschinen im AFS. Ab dem 2. Jahr von oben beginnend asten, Zwiesel und Wasserreiser entfernen. Die Baumkrone soll immer 1/2-2/3 der Baumhöhe betragen. Äste mit Durchmesser von 3-5cm können direkt entfernt werden, dickere Äste ableiten, bis der Stammdurchmesser größer ist. Für Obstbäume sind besondere Regeln zu beachten.

11. Ernte

Die Erntetechnik und -intervalle von Früchten, Holz oder anderen Produkten aus dem AFS sind so verschieden wie die Produkte.

12. Vermarktung

Bei Kern-, Stein- und Schalenfrüchten beginnt der Ertrag zwischen dem 7.-12. Standjahr. Es sollte klar sein, ob Rohware verkauft wird oder Veredelung am Hof statt finden kann und welche Vermarktungsmöglichkeiten zu welchen Preisen in der Region möglich sind. Kooperationen mit anderen Betrieben und regionalen Verarbeitern können neue Wertschöpfungsketten fördern. Dabei ist die Kennzeichnung und Kommunikation des Mehrwerts von Agroforst wesentlich (zB. PAN-Agroforstanbau). 
Edelholz wird meist von der nächsten Generation geerntet und bei der Wertholzsubmission oder bei regionalen Verarbeitern als Nischenprodukt verkauft. Hackschnitzel und Brennholz kann nach wenigen Jahren geerntet und genutzt werden.