Rechtliche Situation in Österreich

Förderungen im Mehrfachantrag MFA

In der ELER-Verordnung des Europäischen Parlaments über die Entwicklung des ländlichen Raumes (1305/2013) wurde bereits im Jahr 2013 in Artikel 23 die Förderung von Agrarforstsystemen festgehalten. Eine nationale Umsetzung in den Mitgliedsländern ist bisher nur kaum erfolgt. Auch in Österreich wurden Agroforstsysteme im Fördersystem bisher nicht dezidiert berücksichtigt.

Mit dem Auslaufen der Förderperiode 2014 – 2020 können derzeit (Stand Herbst 2021) nur folgende Möglichkeiten für Agroforstsysteme auf Ackerflächen in Betracht gezogen werden.

  • Die Pflanzung von Obstbäumen oder z.B. Nussbäumen kann im Mehrfachantrag als Feldstücknutzungsart Spezialkultur mit der Schlagnutzungsart Anderes Obst oder definierte Kulturen (Edelkastanie, Kirsche, Schalenfrüchte, usw.) angegeben werden.
  • Punktförmige Landschaftselemente

Solange die Bäume unter zwei Meter Kronendurchmesser haben, gelten sie noch nicht als punktförmige Landschaftselemente und im MFA besteht kein Handlungsbedarf. Über zwei Meter Kronendurchmesser besteht bei Teilnahme an UBB oder Bio Erhaltungspflicht und sie können als punktförmige Landschaftselemente angegeben werden – indem sie in der Hofkarte erfasst werden. Dabei ist zu beachten, dass der Abstand zwischen den Einzelbäumen über fünf Meter betragen muss. Erreicht der Baumstreifen (Baumreihe) eine Breite von zwei Metern, liegt ein flächiges Landschaftselement vor.

  • Flächiges (lineares) Landschaftselement

Zu den linearen, flächigen Landschaftselementen zählen Hecken und Raine. Diese Elemente müssen aus der landwirtschaftlichen Nutzfläche herausgerechnet werden und sie unterliegen bei Teilnahme an UBB oder Bio einer Erhaltungspflicht. Es könnten also nur Einzelbäume entfernt werden und der Charakter der gesamten Anlage muss erhalten bleiben.
Eine Hecke oder ein Rain als Landschaftselement muss bestimmte Kriterien erfüllen – zwei bis zehn Meter Breite, mindestens 20 Meter Länge und mindestens 50 m2 Fläche. Der Bewuchs einer Hecke besteht im Unterschied zum Rain zum überwiegenden Teil aus verholzten Pflanzen. Auf Stock setzen ist hier erlaubt.
Ist die Hecke als Windschutzanlage definiert, fällt sie ins Forstgesetz und wird zu Wald. Sie darf nicht entfernt werden.

In der kommenden Förderperiode wird es eine sogenannte Mehrnutzenhecke geben, die aus Bäumen (überwiegend mit Fruchtnutzung), Sträuchern und einem krautigen Bereich bestehen muss. Derzeit (Herbst 2021) muss jedoch noch abgewartet werden, wie diese Heckenform konkret im Fördersystem umgesetzt wird.

  • Energieholzfläche

Hier sind die Baumarten genau definiert (Weiden, Pappeln, Robinie, Grau- und Schwarzerle, Esche, Birke) und daher die Möglichkeiten für eine Agroforstanlage eingeschränkt. Innerhalb von 30 Jahren muss mindestens einmal eine Nutzung erfolgen und Anlage und Ernte sind meldepflichtig. Energieholzflächen werden nicht über das ÖPUL gefördert.

Da es für Agroforstsysteme derzeit keine Fördermöglichkeiten gibt, die exakt auf dieses System zugeschnittenen sind, ist vor der Umsetzung unbedingt mit den zuständigen Behörden oder den Kammern Rücksprache zu halten. Die vielfältigen Möglichkeiten der Umsetzung von Agroforst am Betrieb erfordern auch individuelle Berücksichtigung im Mehrfachantrag.

Ein Agroforststreifen mit alten Obstsorten neben einer Mehrnutzungshecke. © P. Meindl/FiBL

Nussbäume in einer Erdbeerkultur. © P. Meindl/FiBL